NIVONA NIVA 9000 Vollautomat im Test

NIVONA NIVO 9000 Test: Premium-Kaffee auf Knopfdruck? Meine Erfahrungen

Die Nürnberger Kaffeemaschinen-Spezialisten von NIVONA haben ihr Portfolio am oberen Ende erweitert. Mit der 9000er-Serie präsentiert der Hersteller technisch den wohl größten Entwicklungsschritt der letzten Jahre. Statt reiner Modellpflege steht hier eine grundlegende Neuerung im Fokus: die komplett überarbeitete Brühgruppe.

Lange Zeit setzte NIVONA auf bewährte Technik, die zwar zuverlässig war, sich aber über die verschiedenen Baureihen hinweg sehr ähnelte. Die neue Serie NIVO 9000 (mit der 9101 in Schwarz und 9103 in Titan)  bricht mit dieser Tradition. Im Inneren arbeitet nun die sogenannte „RomaticaPlus“-Brühgruppe, die laut Hersteller eine noch effizientere Extraktion ermöglichen soll. Ergänzt wird dies durch zeitgemäße Funktionen wie einen 7-Zoll-Touchscreen und neue Zubereitungsarten wie „Chilled Brew“ für kalten Espresso oder kalten Kaffee.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 1.650 Euro platziert sich die Maschine selbstbewusst im Premium-Segment und konkurriert direkt mit den großen Modellen von Jura oder De’Longhi. Für mich stellen sich daher vor allem zwei Fragen: Rechtfertigt die technische Neuausrichtung den Preisaufschlag gegenüber der beliebten 8000er-Serie? Und wirkt sich die neue Brühgruppe tatsächlich auf das Ergebnis in der Tasse aus?

Ich habe die NIVO 9101 über mehrere Wochen in meinem Alltag genutzt, die Verarbeitung geprüft und natürlich zahlreiche Bezüge verkostet, vom klassischen Espresso bis zum Cappuccino mit Hafertrunk. Denn neben Milch kann die NIVO 9000 Serie auch pflanzliche Varianten aufschäumen.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

Erster Eindruck und Verarbeitung

Optisch wirkt die NIVO 9101 sehr aufgeräumt und modern. Das Design verzichtet auf den klassischen Kaffeeauslauf mit sichtbaren Düsen an der Front zugunsten einer aufgeräumten Optik, bei der das 7-Zoll-Display dominiert. Die mattschwarze Oberfläche des 9101-Modells sieht sehr edel aus und ist glücklicherweise weniger anfällig für Fingerabdrücke.

Von NIVONA nutze ich selbst ja schon seit einiger Zeit den kleinen CUBE 4′. Gerade weil er so schön klein ist, passt er in jede Küchenecke. Da sieht der Vollautomat NIVO 9101 schon deutlich wuchtiger aus. Klar, das 7 Zoll-Farbdisplay, der Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 2,2 Liter oder der Bohnenbehälter für 320 Gramm Bohnen benötigen ihren Platz. Die Maschine wiegt 11,7 kg und ist 29cm breit, 36cm hoch und 50cm tief.  Dafür kann das Gerät aber auch 13 Kaffeespezialitäten zubereiten. Und einmal aufgestellt, sieht es ziemlich edel aus und ist ein Blickfang in der Küche.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

13 Kaffeespezialitäten von Espresso bis Chilled Americano

Auf dem Papier bietet die NIVO 9000er-Serie  genau 13 vorprogrammierte Kaffeespezialitäten. In der Praxis deckt NIVONA damit genau das ab, was wir wirklich trinken und verzichtet auf unnötigen Ballast.

Die Klassiker & Milchspezialitäten

Das Standard-Repertoire ist vollständig. Vom Espresso über den Café Crème (Kaffee) bis hin zum Americano ist alles dabei. Bei den Milchgetränken freut mich besonders, dass der Flat White als eigenständiges Rezept vorhanden ist. Oft scheitern Vollautomaten daran, die richtige Konsistenz zwischen Cappuccino und Latte Macchiato zu finden. Hier profitiert die 9101 von der feinen Justierbarkeit des Milchschaums. Folgende Getränke können zubereitet werden: Espresso, Espresso Macchiato, Kaffee, Americano, Cappuccino, Latte Macchiato, Caffè Latte, Flat White.

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Das neue Highlight: Chilled Brew

Hier zeigt sich die technische Weiterentwicklung der 9000er-Serie am deutlichsten. Mit Chilled Espresso, Chilled Kaffee und Chilled Americano greift Nivona den Trend zu kalten Kaffeegetränken auf. Es handelt sich hierbei nicht um „Cold Brew“ (der über Stunden kalt extrahiert wird), sondern um einen heiß gebrühten Kaffee, der jedoch mit angepassten Parametern (Temperatur, Durchlaufzeit) zubereitet wird, um direkt über Eiswürfeln gekühlt zu werden. Das Ziel ist es den Kaffee schnell abzukühlen, ohne dass er bitter wird oder „abgestanden“ schmeckt. Das ist eine hervorragende Basis für Iced Latte im Sommer und geht schnell. Bei mir tröpfelt im Sommer sonst regelmäßig der Cold Dripper über mehrere Stunden. Chilled Brew ist zwar etwas anderes aber auch eine gute Alternative.

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Individualisierung: 16 Speicherplätze für „Mein Kaffee“

Während die 13 Werksrezepte den Start bilden, liegt die wahre Stärke der NIVO 9101 in der Personalisierung. Ganze 16 „Mein Kaffee“-Speicherplätze stehen zur Verfügung. Das ist weit mehr, als im normalen Familienalltag benötigt wird und reicht fast schon für kleine Bürogemeinschaften. Der Vorteil: Du musst nicht jedes Mal am Standard-Cappuccino „herumdoktern“, wenn du ihn stärker willst. Du speicherst dir einfach deinen „Patrick-Morgen-Kaffee“ (extra Shot, wenig Milch) und deinen „Nachmittags-Flat-White“ separat ab. So können mehrere Anwender ihre eigenen Präferenzen hinterlegen. Das finde ich sehr gelungen.

Abgerundet wird das Angebot durch den separaten Bezug von Milchschaum (für Kakao, wird hier häufig genutzt) und Heißwasser (für Tee).

Doch bevor wir die Getränke zubereiten können, muss der Vollautomat eingerichtet und aufgestellt werden.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

Wie läuft die Installation und Einrichtung des NIVONA NIVA 9000?

Der Vollautomat wird in einem großen Karton geliefert. Einmal ausgepackt, kann er direkt aufgestellt werden.

Im Karton findet man neben der Maschine einen CLARIS-Frischwasserfilter, der insbesondere bei kalkhaltigem Wasser zum Einsatz kommen sollte. Er wird direkt im Wassertank eingesetzt. Dazu gibt es einen Teststreifen zur Bestimmung der Wasserhärte,  Milchschläuche inklusive Anschlussstücken, Reinigungstabletten für die ersten Reinigungszyklen und einen Portionierlöffel, falls man Pulverkaffee nutzen möchte.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

Der Vollautomat wird im ersten Schritt mit Strom versorgt. Dann wird der Doppelmilchschlauch oder der einfache Schlauch installiert. Der Doppelmilchschlauch kann eine automatische Spülung des Aufschäumers  nach voreingestellter Zeit auslösen. Der einfache Milchschaum muss manuell gespült werden. Beim ersten Start heizt das Gerät auf und startet einen Spülvorgang. Dazu muss natürlich der Wassertank gefüllt werden. Das Startmenü leitet mich durch die Einstellung von Sprache, Uhrzeit und Wochentag. Dann kann eingestellt werden, ob ich das Gerät mit oder ohne Wasserfilter betreibe. Wenn ich auf den Wasserfilter verzichte, wird die Wasserhärte abgefragt. Hier hilft der Teststreifen bei der Bestimmung. Wenn Wassertank und Bohnenbehälter gefüllt sind, kann es schon fast losgehen. Die Einrichtung dauert etwa 10 Minuten.

Bedienung mit dem 7″-Touch-Display

Die Bedienung erfolgt ganz einfach mit dem neuen Touch-Display. In Farbe werden die verschiedenen Kaffeespezialitäten angezeigt. Wenn ein Symbol berührt wird, startet der Bezug. Jede Spezialität kann aber noch individuell angepasst werden, wenn man länger mit dem Finger auf das Symbol drückt. Man gelangt dann in ein Einstellungsmenü des jeweiligen Rezepts. Kaffee- oder Milchmenge kann hier eingestellt werden, aber auch das entsprechende Aromaprofil.

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Welche Aromaprofile gibt es? Das Aroma Balance System

Das Aroma Balance System unterscheidet zwischen fünf Aromaprofilen: Quick, Dynamic, Constant, Harmonic und Intense. Die Aromaprofile sorgen bei gleicher Bohne, gleicher Kaffeestärke und gleicher Wassermenge für einen jeweils anderen Geschmack. Die Maschine verändert hierbei nicht die Kaffeemenge, sondern den Pumpendruck und die Durchlaufgeschwindigkeit des Wassers.

Stell dir vor, du bereitest einen Handfilter zu: Gießt du das Wasser schnell durch, schmeckt der Kaffee anders, als wenn du es tröpfeln lässt. Genau das simuliert die NIVO 9101 mit ihren fünf Profilen.

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Quick (Der Schnelle)

Was passiert hier? Das Wasser wird zügig und mit konstantem Druck durch das Pulver gepresst. Die Kontaktzeit ist kurz. Der Kaffee ist eher leicht, weniger komplex.

Dynamic (Der Fruchtige)

Was passiert in diesem Profil? Es gibt eine kurze Extraktionszeit, aber einen dynamischem Druckverlauf. Dieses Profil betont die Säuren und die fruchtigen Noten einer Bohne. Die Bitterstoffe werden zurückgehalten.Das Profil ist perfekt für moderne, helle Röstungen („Third Wave“), die blumig oder fruchtig schmecken sollen.

Constant (Der Klassiker)

Dieses Profil sorgt für eine gleichmäßige, konstante Brühung. Das ist quasi die „Standard-Einstellung“, wie sie die meisten anderen Vollautomaten fix verbaut haben. Der Geschmack ist ausgewogen, eine gute Balance zwischen Säure und Bitterkeit. Das Profil ist der beste Startpunkt für jede neue Bohnensorte.

Harmonic (Der Runde)

Die Extraktionszeit wird etwas verlängert und dadurch der Körper des Kaffees betont. Der Geschmack ist vollmundig und harmonisch. Ecken und Kanten (zu viel Säure oder zu viel Bitterkeit) werden etwas geglättet. Für den klassischen Café Crème ist das Profil gut geignet. Der Kaffee schmeckt voll, aber nicht aufdringlich.

Intense (Der Kräftige)

Hier lässt sich die Maschine Zeit. Das Wasser wird langsam durch das Pulver gedrückt, die Kontaktzeit ist am höchsten. Das sorgt für eine hohe Extraktion. Es gibt sehr viel Körper, der Kaffee ist kräftig, hat mehr Röstaromen und Bitterstoffe. Die Säure tritt in den Hintergrund. Das Profil ist ideal für Espresso, der sich im Cappuccino gegen viel Milch durchsetzen muss. Auch perfekt für klassische italienische Röstungen, bei denen man Schokolade schmecken will.

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Doch am Ende muss man die Profile selbst einmal ausprobieren. Was in der Theorie passt, muss in der Praxis nicht unbedingt für deinen persönlichen Geschmack passen. Ich wechsele immer wieder zwischen den Profilen, auch je nach Bohnenart. Manchmal habe ich mehr Lust auf einen kräftigen Kaffee, manchmal auf einen ausgewogenen Geschmack.

Bluetooth und Barista-Modus: So steuert man die NIVO 9101 übers Smartphone

Heutzutage muss ein moderner Vollautomat natürlich auch eine App für das Smartphone haben, sodass alle Einstellungen komfortabel darüber erledigt werden können. Ich finde es gut, wenn sowas unterstützt wird, allerdings muss das jeweilige Gerät auch ohne App problemlos bedienbar sein. Das ist bei NIVONA auf jeden Fall so. Wer die NIVO 9101 per App bedienen möchte, benötigt die App NIVONA Connect. Die App mit dem Namen „Nivona App“ wird nicht unterstützt. Die App ist sowohl im Google Play Store, wie auch im Apple App Store erhältlich. In der App können Grundeinstellungen hinterlegt werden, Rezepte angelegt und verändert werden und Statistiken über die verschiedenen Bezüge eingesehen werden. Auch der Pflegestatus lässt sich prüfen und daraus ggf. die nächste Reinigung ableiten. Wer Hilfe von NIVONA benötigt, kann die Hotline-Daten einsehen oder Diagnosedaten im Fehlerfall übermitteln.

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So lassen sich auf dem Sofa alle Einstellungen vornehmen, beispielsweise auch die Farbe der Wassertankbeleuchtung. Das ist eine nette Spielerei. Spaß macht auch das Hinterlegen des Flying Pictures. Damit kann der Sperrbildschirm individuell gestaltet werden.

Download im Google Play Store

Download im Apple App Store

Rezepteinstellungen – mehr als nur Standard: Die 16 „Mein Kaffee“-Speicherplätze im Detail

Die Rezepteinstellungen können über die App, aber natürlich auch über das jeweilige Gerät gesteuert werden. Werkseinstellungen sind  zwar nett, aber wer sich eine Maschine in dieser Preisklasse kauft, will meist mehr als nur Standard. Die NIVO 9101 macht aus der Rezept-Programmierung glücklicherweise keine Wissenschaft, sondern eine spielerische Erfahrung auf dem 7-Zoll-Touchscreen.

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Live-Anpassung vs. Dauer-Speicherung

Was mir im Alltagstest besonders gut gefallen hat, ist die Flexibilität. Du hast zwei Möglichkeiten, Einfluss auf deinen Kaffee zu nehmen:

Die spontane Änderung (Live-Programming): Du drückst auf Cappuccino, merkst aber während des Mahlens: „Heute brauche ich es stärker.“ Auf dem Display erscheinen Schieberegler, mit denen du Stärke und Menge noch während der Zubereitung verändern kannst. Die Maschine merkt sich das für dieses eine Mal, ohne das Grundrezept zu verstellen.

Das feste Rezept: Im Menü kannst du jedes der 13 Basis-Getränke dauerhaft verändern. Das Display visualisiert dabei sehr schön, was passiert: Veränderst du die Milliliter-Anzahl, füllt sich die virtuelle Tasse auf dem Bildschirm.

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Welche Parameter sind einstellbar?

Du kannst nicht nur bestimmen, wie viel Kaffee in der Tasse landet, sondern den Geschmack präzise steuern:

Kaffeestärke: In 5 Stufen wählbar. Wobei Stufe 5 wirklich ordentlich „Power“ hat. Hier wird die Brühkammer maximal gefüllt. Achtet ggf. darauf, das der Mahlgrad nicht auf der feinsten Stufe steht. Das könnte je nach Bohne zu fein sein.

Kaffeetemperatur: In 4 Stufen steuerbar.  Für den Alltag reicht „heiß“, für alle anderen kann zwischen normal, warm und Maximum gewählt werden.

Aromaprofil: Wie oben beschrieben, wählst du hier für jedes Rezept eines der 5 Profile (Quick bis Intense).

Mengenverhältnis (bei Milchgetränken): Das ist für mich das Highlight. Du stellst nicht einfach „Cappuccino“ ein, sondern definierst exakt: Ich will 40 ml Espresso und 120 ml Milchschaum. Oder 60 ml Espresso und 100 ml Schaum. Das Verhältnis bestimmt den Geschmack massiv. Und je nach Tassengröße gibt es evtl. noch mal einen Extra-Schuss Milch.

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Für Kenner: Die Reihenfolge festlegen

Ein Detail, das NIVONA vielen Konkurrenten voraushat, ist die korrekte Zubereitungsreihenfolge. Bei günstigen Automaten läuft meist erst der Kaffee, dann der Milchschaum (weil es technisch einfacher ist). Ein echter italienischer Cappuccino besteht aber aus Espresso, in den danach die Milch gegossen wird, damit sich die braune Crema schön mit dem weißen Schaum verbindet. Bei der NIVO 9101 kannst du (je nach Rezept und Einstellung) entscheiden:

Soll erst Kaffee und dann die Milch (Klassischer Barista-Style) folgen? Oder erst die Milch und dann der Kaffee (für den typischen Latte Macchiato Schicht-Look). Das ist wirklich schön geregelt. Und bei der Milchart kann zwischen Milch, Pflanzlich und Hafer ausgewählt werden.

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„Mein Kaffee“ für 16 weitere Zubereitungen

Wem die Anpassung der Basis-Rezepte nicht reicht, der tobt sich bei den 16 Speicherplätzen unter „Mein Kaffee“ aus. Wenn verschiedene Personen mit unterschiedlichen Vorlieben den Vollautomat bedienen, kann das sehr hilfreich sein.  Person A nimmt ihre Lieblingstasse und möchte einen großen Milchkaffee. Im eigenen Rezept kann die Menge an die Kaffeetasse angepasst werden, aber auch Stärke, Milchschaum, etc. Person B möchte den Espresso dynamisch mit maximaler Stärke und Hitze? Kein Problem, speichert das einfach in einem separaten Rezept und schon kann der Bezug auf Knopfdruck starten. Du kannst diese Profile auch aus der App an die Maschine senden.

Das Betriebssystem reagiert flüssig und die Schieberegler machen Spaß. Man muss kein Profi sein, um hier den perfekten Kaffee zu konfigurieren. Dennoch ist manchmal etwas Geduld gefragt.

Entnehmbare Brühgruppe und Auto-Spülung: Das Reinigungskonzept

Machen wir uns nichts vor: Niemand kauft sich einen Vollautomaten, weil er so gerne Maschinen putzt. Aber wenn der Kaffee nach drei Monaten muffig schmeckt, hilft auch das beste Aromaprofil nicht mehr. Zwar gefällt mir das Konzept des CUBE 4 noch besser, mit der ausliegenden Brüheinheit, doch auch die 9000er Serie verfügt über eine herausnehmbare Brühgruppe.

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Das ist für mich der entscheidende Punkt im Vergleich zu manchen Premium-Wettbewerbern mit fest verbauten Einheiten. Auch bei der neuen RomaticaPlus-Brühgruppe gilt: Du kannst sie rausnehmen. Hinter der Serviceklappe an der Seite lässt sich die Einheit mit einem einfachen Handgriff entriegeln und entnehmen. Und vor allem auch reinigen. Mein Tipp: Einmal die Woche rausnehmen, unter lauwarmem Wasser abspülen und trocknen lassen. Man sieht sofort, ob sich Kaffeepulverreste in den Ecken verstecken. Das gibt ein gutes Gefühl, dass man keinen Schimmel in der Küche züchtet. Ich selbst kenne so einige Horrorgeschichten von verschimmelten Maschinen. Achtet einfach darauf die Brühgruppe regelmäßig abzuspülen und die Behälter zu leeren. Das dauert nicht lange.

Das Milchsystem: manuelle Spülung und Automatik

Milch ist der natürliche Feind jedes Vollautomaten. Wird hier geschlampt, wird es schnell unappetitlich. Dazu kommt, das sich schnell Milchfette bilden, die man nicht sieht. Mein erster Vollautomat hat irgendwann keinen vernünftigen Milchschaum mehr produziert. Das lag daran, das ich die Teile nur mit Wasser gereinigt habe und vermutlich immer viel zu spät. Die NIVO 9101 macht es einem aber sehr leicht mit einem Spülprogramm.

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Nach jedem Bezug mit Milch „dampft“ sich die Maschine kurz durch den Auslauf aus. Das ist Standard. Dazu gibt es die Intensiv-Reinigung: Der Milchschlauch wird einfach in eine Öffnung in der Tropfschale gesteckt. Das System spült dann heißes Wasser und Dampf durch den Schlauch und den Auslauf. Man muss also nicht mehr mit einem extra Gefäß neben der Maschine stehen. Allerdings muss ein Gefäß unter den Auslauf gestellt werden. Im Display wird auch nach der Benutzung von Milch darauf hingewiesen, dass man das Spülprogramm durchlaufen soll.

Der Auslauf vorne lässt sich zudem noch abnehmen und zerlegen. Das sollte man regelmäßig tun, aber dank weniger Einzelteile ist das kein Puzzle für Fortgeschrittene, sondern in zwei Minuten erledigt.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

Das 7-Zoll-Display unterstützt darüber hinaus bei allen Vorgängen. Während man bei alten Modellen oft rätseln musste, was „Schale leeren“ oder „System spülen“ genau bedeutet, zeigt die NIVO 9101 Animationen an. Sie zeigt dir genau, wie du den Wassertank hältst, wo die Reinigungstablette hinkommt oder welches Teil du gerade abziehen sollst. Das macht die Wartung spielend einfach.

Trester und Tropfschale regelmäßig leeren

Der Tresterbehälter (für den Kaffeesatz) ist ausreichend groß. Ein kleines Detail, das mir gefällt: Die Software zählt die Bezüge mit. Die Maschine fordert dich also nicht erst zum Leeren auf, wenn der Behälter physikalisch überläuft und alles verklemmt, sondern basierend auf einer rechnerischen Füllmenge. Die Tropfschale ist lang, lässt sich aber gut balancieren, ohne dass man auf dem Weg zur Spüle das Schmutzwasser auf dem Küchenboden verteilt.

Nivona NIVO 9000 / 9101 Test - Vollautomaten Test

Die NIVO 9101 ist keine selbstreinigende Zaubermaschine, ein bisschen Disziplin braucht man immer. Aber sie macht den Prozess so transparent und einfach wie möglich. Wer einmal die Woche 5 Minuten investiert, hat hier dauerhaft Ruhe vor Schimmel und ranzigem Kaffeefett. Zwar nerven die zahlreichen Spülvorgänge aber denkt immer daran, das nur eine saubere Maschine leckeren Kaffee produzieren kann.

Und wie schmeckt der Kaffee?

Je nach Bohne natürlich unterschiedlich. Natürlich kann der Vollautomat leckeren Kaffee produzieren. Am einfachsten funktionieren die Standardeinstellungen mit Bohnen dunklerer Röstungen. Helle Röstungen haben mich überrascht. Da kann der NIVO 9101 auch überzeugen, aber es benötigt schon ein wenig Feingefühl bei den Einstellungen um den besten Geschmack rauszukitzeln. Der Mahlgrad kann in Verbindung mit den Aromaprofilen noch einiges rauskitzeln. Da machen die verschiedenen Rezepte Sinn, denn man kann auch Rezepte für helle oder dunkle Röstungen anlegen. Das hat mir gut gefallen. Und was am Ende schmeckt, darf natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Wer mehr zu den beiden Vollautomaten der NIVO 9000 Serie erfahren möchte, kann sich darüber hinaus beim Hersteller schlau machen oder den Händler seines Vertrauens fragen.

Details findet ihr hier: https://nivona.com/de/product/nivo9000

Kommen wir zur entscheidenden Frage zurück: Ist die NIVO 9101 ihren Preis von rund 1.650 Euro wert und schmeckt man die neue „RomaticaPlus“-Brühgruppe wirklich? Die neue Brühgruppe ist kein reines Marketing-Versprechen, sondern liefert ab. Besonders wenn man sich traut, mit helleren Röstungen und den Aromaprofilen zu experimentieren. Das ist für einen Vollautomaten keine Selbstverständlichkeit. Wenn du einen Vollautomaten suchst, der geschmacklich ganz oben mitspielt, aber keine fest verbaute Blackbox in der Küche haben möchtest, ist die NIVO 9101 eine super Option. Wer bereits eine gut funktionierende 8000er NIVONA besitzt, muss nicht zwingend sofort upgraden. Für alle anderen, die bereit sind, für Qualität und Langlebigkeit etwas mehr zu investieren, ist die 9101 eine klare Empfehlung.